Die ersten Meter auf der Panamericana

Die ersten Meter auf der Panamericana

geschrieben von Hannah

Heute endet der “Urlaub” und wir schwingen uns auf die Fahrräder. Die ersten Meter beginnen holprig. Dreimal müssen wir anhalten, weil bei Marius‘ Fahrrad etwas klappert, bis sich herausstellt, dass es keine Speiche, sondern nur der Tacho ist. Der Stadt zu entkommen ist mühselig. Wie wir bereits erwartet haben, bleibt uns nur die Autobahn, Umgehungsstraßen oder gar Fahrradwege gibt es nicht. Da die Stadt zwischen den Bergen eingepfercht ist, gibt es keine Möglichkeit, die vom Verkehr stark ausgelasteten Straßen zu meiden. Beim ersten Versuch, ins in die richtige Spur einzufädeln, bemerke ich sofort, dass wir schnell sein müssen; niemand gibt uns freiwillig den Vorrang. Also suchen wir Lücken zwischen den Autos und quetschen uns dazwischen, ehe der nächste Wagen aufschließen kann. Meistens gibt es einen schmalen, abschüssigen Standstreifen von 30-100 cm, auf dem wir fahren können, doch direkt daneben fällt der Asphalt in Abwasserkanäle ab, weswegen beim Fahren hohe Konzentration geboten ist: links donnern die Autos vorbei, rechts ist der Graben.

Nach Süden auf der Panamericana

Zum Glück tragen wir Ohrstöpsel, die den Verkehrslärm in ein entferntes Rauschen verwandeln. Lärm bedeutet Stress, und den ersparen wir uns auf diesem Wege. Die meisten Autofahrer halten Abstand, die LKWs hupen, wenn sie uns überholen. Während wir radeln, gibt es kaum etwas zu sehen, nur die Straße vor uns und ein paar ärmliche Hütten am Straßenrand. Auf den Standstreifen stehen junge Leute und verkaufen Wasser und Eis. Nach einer Weile macht sich der Smog bemerkbar, er legt sich auf unsere Haut und verursacht ein Kratzen im Hals. Wenn ein Bus vorbeifährt, ist die Luft ein paar Sekunden schwarz. Ich frage mich, wie die Verkäufer das den ganzen Tag lang aushalten. In den Kleinstädten, die sich an Quito angliedern und die wir durchfahren, werden wir mit Erstaunen beäugt. Die Leute leben einfach und ich sehe sie nie lächeln.

Der Zustand der Straße ist überraschend gut, die Panamericana wird viel genutzt und daher auch instand gehalten. Es geht rauf und runter. Erstaunlicherweise ist es nicht die Höhe, die mir den Atem nimmt, sondern die Feinstaubbelastung. Je weiter wir uns von Quito entfernen, desto schmaler wird die Straße und auch die Autos zerstreuen sich ein wenig, sodass ich mich traue, auch mal anzuhalten und ein paar Bilder zu machen.

Marius hat einen Warmshower-Gastgeber in einer Kleinstadt südlich von Quito aufgetan, bei dem wir am Nachmittag ankommen. So beschließen wir unseren ersten Tag mit nur 35 km. Sebastián lädt uns in sein Haus ein, das auf einem Hügel liegt. Er ist selbst ein begeisterter und erfahrener Radler. Wir nutzen die Gelegenheit, um ihn gründlich auszuquetschen und uns Tipps abzuholen. Davon hat er viele zu bieten: Welche Straßen kann man nutzen, welche sollte man meiden, wo bekommt man Gas, welche Ansprechpartner gibt es auf der Route?

Casa de Ciclista

In Südamerika gibt es einige Casas de Ciclista, Anlaufstellen für Fahrradfahrer. Die erste liegt nördlich von Quito und war uns schon in Deutschland empfohlen worden, lag aber nicht auf unserer Route. Die nächste ist in Peru, wir nehmen uns vor, dort vorbeizuschauen.

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