Die letzte Oase vor dem Niemandsland

Die letzte Oase vor dem Niemandsland

Inzwischen sind wir in Loja angekommen, wieder eine sehr schöne Stadt. Aber deswegen sind wir ja nicht hier, wir wollen weiterfahren. Hinter Loja wird es einsam und steil, bis zum Grenzübergang nach Peru sind es etwa 190 km. Die ersten 45 davon gehen fast wie von selbst, denn es geht hauptsächlich bergab, allerdings in strömendem Regen. Es ist mir unbegreiflich, wie wir wirklich pausenlos und obwohl wir beständig Kilometer um Kilometer zurücklegen uns direkt unterhalb dicker, von Feuchtigkeit geradezu überlaufender Regenwolken sein können. Während wir uns bergab rollen lassen, treffen die Tropfen von vorne hart auf meine Stirn und in meine Augen. Das Wasser auf dem Asphalt verringert die Haftung, wir müssen aufpassen, nicht zu schnell zu werden. Aber die Straße ist super ausgebaut, es gibt keine Schlaglöcher und nicht zu viel Verkehr. Dir LKWs sind wir erstmal los, der Fernverkehr fährt hier nicht lang, nur die Anwohner.

Als wir schließlich völlig durchnässt sind, suchen wir Schutz unter dem Dach eines Standes am Straßenrand, wo es frittierte Teigtaschen mit Frischkäsefüllung und Zucker gibt (seltsame Kombination, aber lecker!) Ich vernachlässige jegliche Contenance, mir ist kalt und Tischmanieren sind jetzt zweitrangig. Also ziehe am Tisch erstmal meine Socken aus, aus denen sich ein ganzer Wasserstrahl ergießt, trockne mich ab und ziehe neue Sachen an. Die anderen Gäste, die aus ihren Autos steigen und dem Regen weniger ausgeliefert sind, nehmen zum Glück keinen Anstoß daran. Nach der Pause geht es weiter bis Vilcabamba. Etwa 2,5 km außerhalb der Stadt liegt eine Hosteria, eine Art Hotelanlage, die von zwei deutschen Auswanderern geführt wird. Hier wollen wir heute bleiben, ein letztes Mal in den Genuss von fließendem Wasser und einer Matratze kommen, ehe wir zur peruanischen Grenze weiterfahren. Die Strecke wird sehr einsam und auch von dem bisherigen Luxus, auf geteerten Straßen fahren zu können, werden wir uns zeitnah verabschieden müssen.

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