Der erste Grenzübergang: Peru

Der erste Grenzübergang: Peru

Wir entscheiden uns, nicht in Zumba zu übernachten, sondern zu campen. Über die App iOverlander wird uns ein einsamer, zum Zelten geeigneter Platz an einem Feldweg vorgeschlagen. Dort schlagen wir unser Zelt auf, essen zu Abend und legen uns dann schlafen. Kaum haben wir die Augen zugemacht, geht in Zumba die Party los. Wir sind einige Kilometer von der Stadt entfernt, aber am anderen Ende des noch immer selben Tals. Daher wird der Schall nahezu ungedämmt bis vor unsere sprichwörtliche Haustür getragen. Es scheint ein Konzert zu sein, jedenfalls können auch unsere Ohrstöpsel die Party nicht aussperren.

Geschichten und die Wirklichkeit

Auf dem Weg zum Grenzübergang am nächsten Tag werden wir zum Abschied von Ecuador noch einmal so richtig durchgerüttelt. Der Sandweg ist mit Steinen jeder Größe und Form gespickt und das Regenwasser hat Rinnsale hineingegraben. Also bahnen wir uns langsam und mit angezogenen Bremsen unseren Weg. Schon vor der Grenze passieren wir noch in Ecuador zwei Militärposten mit Beamten, die unsere Pässe kontrollieren. Die Grenze selbst wird vom Rio Grande markiert. Etwa 100 Meter vor dem Übergang bleiben wir kurz stehen und beraten uns, wie wir möglichst schnell und ohne Komplikationen hinüber kommen. Von anderen Reisenden haben wir gehört, dass das Prozedere von übereifrigen und skeptischen Beamten oftmals auf drei oder vier Stunden in die Länge gezogen wird, in denen man Fragen beantworten, um jeden Tag der Aufenthaltserlaubnis mühsam feilschen und alle seine Taschen auspacken müsse. Da kommt ein anderer bepackter Radler um die Biegung gefegt, er stellt sich als Thomas vor, ein Argentinier, der vor zwei Jahren in Alaska gestartet ist und seither mit einigen Pausen den amerikanischen Kontinent von Norden nach Süden durchquert. Wir wittern unsere Chance, einen erfahrenen Begleiter an unserer Seite zu gewinnen, der zudem noch fließend Spanisch spricht, und heften uns an seine Fersen. Auf der ecuadorianischen Seite müssen wir uns ausstempeln und ein Formular ausfüllen, das ein gelangweilt auf sein Handy starrender Grenzbeamter kommentarlos entgegen nimmt und zu den Akten legt. Thomas kennt das anscheinend schon und ist schnell wieder verschwunden. Das war ja leicht! Wir fahren über die Brücke, 20m weiter sind wir in einem anderen Land.

Der dortige Grenzbeamte findet den im Hintergrund laufenden Horrorfilm weitaus interessanter als unsere Beweggründe, in sein Land einzufahren, nimmt nebenbei Fingerabdrücke und macht von jedem ein Foto, fragt dann „Maximum?“ Wir nicken einfach mal. Er klatscht uns einen Stempel in die Pässe, 180 Tage Aufenthaltserlaubnis. Das Ganze hat fünf Minuten gedauert.

Ein neuer Weggefährte

Am Kiosk kaufen wir eine neue Simkarte und Eis. Von dort aus sehen wir gleich den nächsten Fahrradfahrer über die Grenze radeln, hier scheint schwer was los zu sein! Den Kioskbesitzer fragen wir, ob hier viele Radreisende vorbeikämen, er verneint. Heute ist wohl unser Glückstag. Als wir mit dem Eis fertig sind stößt Emil zu uns, er ist Schwede und einfach mal losgefahren, für wie lange weiß er nicht. Er ist noch größer als Marius und fällt mit seinen Tattoos uns den langen hellen Haaren auch noch mehr auf. Als er erzählt, dass er Thomas und sogar Ben und Clémentine schon kennt, lachen wir, die Welt ist doch klein. Es scheint, als würden alle Radreisenden in Südamerika einander zwangsläufig irgendwann über den Weg fahren. Das französische Geschwisterpaar hat die Grenze übrigens am Vortag überquert und ist schon in Tamborapa.

Saubere Wäsche und warmes Essen

Gemeinsam fahren wir bis ins nächste Dorf. Bisher konnten wir unsere Wäsche immer für ein paar Dollar in einer Wäscherei abgeben, aber hier gibt es keine und unsere letzten sauberen Shirts haben wir schon vor zwei Tagen durchgeschwitzt. Wir suchen uns ein billiges Hotel und dann muss ich, ganz altmodisch, Hand anlegen und zumindest ein paar Kleidungsstücke im Waschbecken von Hand waschen. Dieses Prozedere kenne ich nur aus den Erzählungen meiner Oma. In Ecuador habe ich es oft gesehen, die meisten Menschen besitzen keine Waschmaschine, sondern nur ein Waschbrett, und hängen ihre Kleidung zum Trocknen unters Dach. Die Luftfeuchtigkeit ist in den niedrigen Regionen so hoch, dass sie dort oft tagelang hängt, bis sie trocken ist. Während ich mich abmühe, kommen zwei kleine Mädchen angelaufen, setzen sich zuerst auf die Treppe um mich zu beobachten und kommen dann, als sie beschließen, dass von mir keine Gefahr ausgeht, immer näher. Als ich den letzten Rest Waschmittel aus der Tube gequetscht habe, wird diese zum Spielzeug befördert, die Mädchen füllen sie mit Wasser und spritzen sich gegenseitig nass.

Als die Wäsche hängt, machen Emil, Marius und ich uns auf, um einzukaufen und anschließend im Garten des Hotels zu kochen. Emil ist abgehärtet, er hat bei seiner Ankunft in Kolumbien angefangen, das Leitungswasser zu trinken und war die erste Woche nur krank, doch danach hatte sein Körper sich daran gewöhnt. Seit meiner Erfahrung am Cotopaxi in der ersten Woche traue ich mich nicht einmal, meine Zahnbürste mit Leitungswasser abzuspülen. Thomas ist in der Kirche desselben Dorfes untergekommen und gesellt sich zu uns.

This Post Has One Comment

  1. Elke hat auch noch mit Waschbrett gewaschen, und Wasser musste mit Hand gepumpt werden.

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