Auf dem Markt in Cajamarca

Auf dem Markt in Cajamarca

Carlos ist ein großartiger Gastgeber in Cajamarca. Er ist begeisterter Mountainbiker und wir unterhalten uns viel über Routen, Erlebnisse und Bekanntschaften, die wir gemacht haben. Er gibt uns einige Empfehlungen, wie man am besten weiterfahren könnte, was gegen Höhenkrankheit hilft und fährt auch gleich mit Marius los, um Besorgungen zu machen. Marius hatte einen seiner Kurzfingerhandschuhe verloren. Carlos‘ Hilfe ist für uns von unschätzbarem Wert, denn in einer fremden Stadt Fahrradhandschuhe in Marius‘ Größe aufzutreiben, ist nicht so ganz einfach, aber mit seiner Hilfe innerhalb von 15 Minuten erledigt.

In Cajamarca gibt es mehrere Einkaufszentren, in die wir uns begeistert stürzen. Das habt ihr doch zuhause, könnte man jetzt sagen, und es stimmt, genau sowas haben wir zuhause, und wir vermissen es, obwohl wir das nicht geglaubt haben. So genießen wir halt doch die Vorzüge der westlichen Welt. In einem Bekleidungsgeschäft gibt es eine bequeme Hose in fünf Farben zur Auswahl, alle in meiner Größe vorrätig und nagelneu! Was für ein Luxus. Ich habe nur eine Hose dabei und wenn die in der Wäsche ist, muss ich in meiner langen Skiunterhose durch die Gegend laufen. Von der Jeans, die ich anfangs dabei hatte, habe ich mich früh getrennt, zu dick, zu schwer, so großes Packvolumen und unpraktisch. Für den Zeitraum der Tour habe ich mir selbst Minimalismus geschworen und bisher vorbildlich durchgehalten, ich habe nichts gekauft, nicht mal einen Schlüsselanhänger. Aber der Versuchung, ein Sommerkleid zu kaufen, kann ich dann doch nicht widerstehen. Vielleicht ist es, weil es seit Tagen so unerträglich heiß ist, vielleicht aber auch, weil ich mich einfach mal wieder wie eine Frau anziehen will. Trotzdem habe ich irgendwie ein schlechtes Gewissen. Jetzt habe ich zwei Teile mehr mitzuschleppen.

Ich freue mich schon auf Saõ Paulo im November, am Ende der Tour werden Gewicht und Anzahl der Gepäckstücke egal sein und wir müssen nicht mehr darauf achten. Wir sind Mitte November mit Marius‘ Schwester Vanessa in Rio de Janeiro verabredet, wo wir gemeinsam die Reise ausklingen lassen wollen, ohne Fahrräder. Aber bis dahin ist es noch lange hin und noch viele Kilometer zu fahren.

Am Freitagmorgen müssen wir wieder ins Krankenhaus, um die zweite Tollwutimpfung hinter mich zu bringen. Im privaten Krankenhaus hätte das, wie Carlos für uns in Erfahrung gebracht hat, 135 Sol gekostet. Das ist nicht viel, aber bei dem Gedanken, die Rechnung dann bei der Krankenversicherung einzureichen und wochenlang einer Rückzahlung hinterher zu telefonieren, entscheide ich mich, lieber die Wartezeit in einem öffentlichen Krankenhaus in Kauf zu nehmen. Das größte Hindernis bei diesem Unterfangen sind unsere mangelhaften Spanischkenntnisse. Die Krankenschwester muss oft nachfragen, bis wir verständlich erläutert haben, was wann passiert ist und dass in Chachapoyas bereits eine Impfung erfolgt ist. Dort hat man leider versäumt, die Impfung ordnungsgemäß auf einem peruanischen Impfausweis zu notieren, von dessen Existenz wir nun erst erfahren. Schließlich erklärt sie sich bereit, mir einen auszustellen und die Impfung nachzutragen. Zum Glück habe ich wenigstens meinen deutschen dabei und kann so vorzeigen, dass im Februar eine Profilaxe vorgenommen wurde. Insgesamt dauert alles dann doch nur 45 Minuten und ist wieder kostenlos.

Bevor wir abfahren, kaufen wir Obst auf dem Markt, den Carlos uns empfohlen hat. Es ist kein touristischer Markt, sondern der, wo die Einwohner der Stadt auch selbst einkaufen. In den engen Straßen stehen hunderte Stände, auf denen man von Hühnerfüßen über Klebstoff bis Waschmittel alles kaufen kann. Über die Stände sind an Schnüren Planen gespannt, um sie vor der Sonne zu schützen. Diese Bänder hängen kreuz und quer über der Straße in etwa 1,75 m Höhe, die Einheimischen gehen bequem darunter durch. Marius, abgelenkt vom bunten Getümmel, rennt prompt dagegen. Das habe ich zum Glück auf Video!

Der Markt ist belebt wie ein Bienenstock, das Geschrei der Händler, die ihre Ware anpreisen, verschwimmt zu einem alles übertönenden Rauschen, aus dem sich vereinzelt die Stimmen der lautesten Marktschreier erheben. Aus den Seitenstraßen strömen ständig neue Menschen hinzu, Frauen manövrieren Tücher, gefüllt mit bündelweise Kräutern oder Blumen, zwischen den Passanten hindurch. Hier ist die Welt bunt, bunt vom farbenfrohen Obst, den schrillen Plastikverpackungen und den traditionellen Kleidern der Damen, die Farben lieben. Ein blauer Rock über lila Strumpfhose mit roter Bluse und grüner Jacke? Hier ist das keine gewagte Kombination. Ich habe doch nie so viele Farben an einer Frau gesehen. Und alle tragen sie große, helle Hüte, unter denen ihre geflochtenen Zöpfe herausragen.

Das Fleisch hängt ungekühlt an kleinen Wagen, um, wenn ein Kunde danach fragt, mit stumpfen Beilen mehr in Stücke gequetscht als geschnitten zu werden. Wir lassen uns einfach treiben. Am Mittag verlassen wir die Stadt in Richtung Cajabamba.

Auf der Straße sind wir wieder den Hunden ausgeliefert. Seit ich gebissen wurde, hat mein Verständnis für die vernachlässigten Tiere abgenommen und ich bin bereit, Gewalt anzuwenden. Als uns wieder einmal ein besonders großes, schnelles und aggressives Exemplar jagt, werde ich wütend. Weniger auf den Hund als auf die Besitzer, die im Vorgarten stehen, über dessen Zaun ihr Haustier mit Leichtigkeit gesprungen ist, und beobachten, wie er nach unseren Knöcheln schnappt und die Zähne fletscht. Eine Frau pfeift und ruft ihn, aber das bremst ihn überhaupt nicht. Wenn man sich nicht die Mühe macht, seinen Hund zu erziehen oder wenigstens grundlegenden Gehorsam beizubringen, kann man sich das Pfeifen auch sparen. Soll das ein Placebo sein um uns vorzumachen, dass man sich ja bemühe, den Hund zurückzuhalten? Das kaufe ich den verantwortungslosen Besitzern nicht ab. Sie gefährden unsere Gesundheit und nebenbei auch den Hund, nach dem wir in unserer Bedrängnis nun treten.

Später am Tag wiederholt sich dieser Vorfall in ähnlichem Ablauf, nur dass die Besitzerin mich diesmal tatenlos und blöde anstarrt, während ihr Hund mich zu packen versucht. Als ich Steine auf ihn werfe, die ich zu diesem Zweck in meinen Taschen habe, schaut sie mich vorwurfsvoll an und unternimmt plötzlich auch den ersten Versuch, den Hund aus meiner Reichweite zu entfernen. Ich könnte hier noch viele weitere Vorfälle schildern, in denen ich versucht war, den Stein nicht auf den Hund, sondern an die Köpfe der Halter zu schmeißen, damit diese mal zu Bewusstsein kommen, aber ich möchte mir weitere Wutausbrüche an dieser Stelle sparen, denn mein Standpunkt ist wohl deutlich geworden. Wir nehmen uns vor, bei nächster Gelegenheit Pfefferspray zu kaufen.

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  1. Ich freu mich schon auf unseren Ipanema am Copacabana! 🙂

  2. Ich freu mich schon auf unseren Ipanema am Copacabana! 🙂

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