Bolivien: zusammengefasste Erfahrungen und nützliche Tipps

Bolivien: zusammengefasste Erfahrungen und nützliche Tipps

WLAN gibt es nur in großen Städten und es ist sehr langsam. Die beiden großen Anbieter für mobiles Netz sind Tigo und Entel, wobei letzterer ein staatliches Unternehmen ist. Tigo hat eine sehr schlechte Netzabdeckung und ist sogar deutlich teurer als Entel. Empfang hat man nur in Metropolregionen. Mit Entel ist man auch auf dem Land online. Insgesamt gibt es aber viel mehr Funklöcher als in Peru und von 4G kann man sich hier auch verabschieden.

Allgemein ist der Standard von allem in Hotels in Bolivien niedriger als in Peru und viel niedriger als in Ecuador. Die Menschen hier sind ärmer. Es gibt auch viel weniger Restaurants und Straßenstände, die Essen verkaufen.

Die Straßen sind selten geteert, meistens bestehen sie aus gepresstem Sand mit Steinen durchsetzt und haben die Oberflächenstruktur eines Waschbretts.

Die Hotelpreise sind niedrig, werden aber manchmal pro Person gerechnet. Man kann hier gut verhandeln. Handtücher oder Frühstück sind nicht inklusive. Manchmal kosten Dusche oder ein Ventilator noch extra. Die Zimmer sind nicht besonders sauber und eher heruntergekommen. Die Sanitäranlagen werden so gut wie nie geputzt.

In Peru lautete die Frage: „Gibt es eine heiße Dusche?“ In Bolivien muss man fragen: „Gibt es eine Dusche?“, denn manche Unterkünfte haben keine. In den entlegenen Dörfern gibt es kein fließendes Wasser.

Die Duschen werden oft mit Solarzellen betrieben und sind dann maximal lauwarm. Daher sollte man sich nicht für Hotels mit Solarduschen entscheiden, wenn man eine Wahl hat.

Waschmaschinen gibt es nur in den Großstädten und auch da laufen die Maschinen meist mit kaltem Wasser. Andernorts ist Handwäsche angesagt.

Während wir uns in Peru noch gefragt haben, ob vielleicht jemand Englisch spricht (was so gut wie nie der Fall war) waren wir in Bolivien sogar mit dem Problem konfrontiert, mit Spanisch nicht mehr weiterzukommen. In den bolivianischen Anden wird nämlich Quechua gesprochen und die Leute dort sind teilweise nie zur Schule gegangen und haben nie Spanisch gelernt. Quechua wird auch in Ecuador und Peru gesprochen, aber dort können die Leute auch Spanisch.

Der Bildungsstand der Menschen ist niedrig. Wenn man sagt, dass man aus Deutschland kommt, können sich über 90% der Leute nichts darunter vorstellen. Sie wissen nicht, wo Europa liegt. Wir wurden auch oft gefragt, ob wir aus Deutschland mit dem Fahrrad hierher gefahren sind, denn die Menschen wissen nicht, dass es mehrere Kontinente gibt, die durch Wasser getrennt sind. Von Distanzen haben sie keine Vorstellung, da ihre Lebenswelt auf einige Kilometer bis maximal zur nächsten Stadt begrenzt ist. Wenn man gefragt wird, woher man kommt und wo man hinwill, gibt man besser nur die letzte und die nächste Stadt an.

Selbst Taxifahrer in den Städten können keine Karten lesen. Man kann also dem Fahrer bei Google Maps zeigen, wo man hinwill, aber verstehen wird er es nicht, denn ein Stadtgrundriss und die Stadt selbst haben für sie keinen Bezug zueinander. Besser ist es, ein Gebäude oder eine Institution in der Nähe als Ziel zu nennen. Die Leute haben nie gelernt, wie man mit einer Karte umgeht. Daher sollte man auch vorsichtig damit sein, Routen auf dem Handy zu zeigen und beispielsweise nach dem Zustand einer Straße zu fragen. Die meisten Menschen wissen gar nicht, was man meint und erzählen dann irgendwas oder sie haben veraltete Informationen von vor drei Jahren.

Von ihrer Hupe machen die Bolivianer seltener Gebrauch als die Peruaner, was sehr angenehm für Radfahrer ist.

Die Preise für Lebensmittel sind in etwa so wie in Peru oder etwas günstiger. Der Mittagstisch im einfachen Dorfrestaurant ist billiger, als selber zu kochen. Es gibt aber immer Reis. Die Auswahl in den kleinen Dorfläden ist begrenzt. Es gibt Softgetränke, Konservendosen, Nudeln, Reis, Instantmilch, trockene Kekse und selten mal Obst und Gemüse oder Käse.

Die Menschen sind freundlicher und hilfsbereiter als in Peru. Die ablehnende Haltung gegenüber Fremden kommt auch vor, ist aber seltener. Wir wurden sogar einige Male per Anhalter mitgenommen.

Wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse im Land bekommen Europäer oft Magen- und Darmprobleme. Daher sollte man aus Deutschland Medikamente gegen Übelkeit und Durchfall mitbringen. Wirklich schützen kann man sich nicht. Jeder wird irgendwann krank.

Wasser in Flaschen gibt es auf dem Land meistens zu kaufen. Trotzdem empfiehlt sich in Bolivien ein Filter.

In La Paz gibt es ein System von Seilbahnen als öffentlichen Nahverkehr. Eine Fahrt kostet 0,42 €. Wenn man umsteigt, braucht man ein neues Ticket. In eine Gondel passt ein bepacktes Fahrrad bequem hinein. Allerdings fahren die Gondeln im Obergeschoss der jeweiligen Station ab und in den Fahrstuhl passt kein Fahrrad. Außerdem gibt es ein Casa de Ciclistas, also eine Unterkunft für Fahrradfahrer, wo man preisgünstig übernachten, Gleichgesinnte treffen und sich austauschen kann. Die Unterkunft liegt zentral. Man muss sich vorher per Email anmelden.

Die Post ist ein privates Unternehmen und nur in Großstädten zu finden. Eine Postkarte nach Deutschland zu senden, kostet ca. 2 €.

Ersatzteile sind schwer zu bekommen. Am besten alles aus Deutschland mitbringen.

Die Nationalparks kosten Eintritt, der dann in der Tasche der Ranger landet. Den Preis legen sie danach fest, wie reich man aussieht. Manchmal kann man sich da rausreden, das leere Portemonnaie zeigen oder einfach unbemerkt durchfahren. Korruption ist in Bolivien allgegenwärtig.

Boliviens Präsident ist eine umfangreich inszenierte Kultfigur, die auf keinem Plakat zu einem Bauprojekt fehlen darf, damit auch jeder weiß, dass er den Bau dieser Brücke dem Präsidenten zu verdanken hat.

Zu den Themen Markt, Klopapier und Hunde siehe Artikel zu Peru und Ecuador.

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