Was ich auf meiner ersten Tour lernen musste: Die Kunst des Minimalismus

geschrieben von Hannah

Ein Kilo Gepäck mehr oder weniger macht sich zwar auf den ersten Kilometern nicht bemerkbar, wird dafür aber spätestens ab Kilometer 60 verflucht und gehasst. Das habe ich schmerzvoll lernen müssen: Schmeiß alles, was du glaubst, zu brauchen auf einen Haufen und nimm maximal die Hälfte davon mit. Nach ein paar Tagen auf Tour überwiegt die Last des zusätzlichen Gewichts den vermeintlichen Nutzen, den etwas haben kann und du wirfst es „über Bord“. Daraus ergibt sich die nächste Lehre: Nimm nichts mit, woran dein Herz hängt. Du kannst es jederzeit verlieren, vergessen oder es kann gestohlen werden: Besitz in Fahrradtaschen ist auch für Unbefugte leicht zugänglich.

Das fiel und fällt mir immer noch schwer. Was, wenn man abends mal essen geht? Oder mal einen Tag eine Stadt besichtigt? Für solche Anlässe hatte ich früher immer ein oder zwei Sommerkleider im Gepäck. Angezogen habe ich sie aber nie.


“Schmeiß alles, was du glaubst, zu brauchen auf einen Haufen und nimm maximal die Hälfte davon mit.”

Hannah

Das Einzige, worin ich mich bis heute nicht habe dezimieren lassen: Tee. Als gewohnheitsmäßige Teetrinkerin habe ich bis heute immer eine kleine Dose mit Teebeuteln in meiner Tasche, und das nicht nur auf Tour, sondern auch, wenn ich in Hamburg unterwegs bin, und ich habe schon oft Gebrauch davon gemacht. Seit er mich kennt, trinkt Marius auch Tee, sogar auf Tour. Zuerst hat er mir Tee in einem Campingbecher serviert, 200ml, ein kurzes Vergnügen. Am nächsten Morgen habe ich dann einfach die Teebeutel in den Kochtopf geschmissen, 1,5l, der Aufwand soll sich ja auch lohnen.

So hat jeder seine Angewohnheiten, auf die er auch im Minimalismus nicht verzichten kann oder will. Und das ist auch gut so. Denn man muss sich ja nicht von allem verabschieden, was den Charakter ausmacht und kann mit einer Tasse Tee auch unterwegs einen kleine Teil des Komforts von zuhause genießen.

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